In der aktuellen Debatte um die Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung wird eine Abschaffung der beitragsfreien Mitversicherung von Ehepartnern in Betracht gezogen. Im Raum steht dabei, dass ein Mindestbeitrag von 225 Euro im Monat beziehungsweise 2.700 Euro im Jahr vom nicht oder geringfügig erwerbstätigen Ehepartner in die gesetzliche Krankenversicherung eingezahlt werden muss. Was als Maßnahme zur Sanierung der Gesetzlichen Krankenversicherung deklariert wird, ist in Wahrheit ein massiver Angriff auf Familien und niedrige Einkommen. Ausgenommen hiervon sollen zwar Personen sein, die Kinder bis zum siebten Lebensjahr betreuen und/oder sich um pflegebedürftige Angehörige kümmern. Gleichwohl führt dies jedoch keineswegs zu einer realistischen Abfederung der finanziellen Härten.
Familien tragen bereits heute einen überproportionalen Anteil bei, zur Stabilisierung unseres Sozialsystems. Eltern investieren Zeit, Geld und persönliche Kraft, um die Beitragszahler von morgen großzuziehen. Ohne diesen generativen Beitrag gäbe es die gesetzliche Krankenversicherung in ihrer heutigen Form längst nicht mehr.
Die beitragsfreie Mitversicherung von Ehepartnern ist deshalb kein Privileg, sondern ein Ausdruck von sozialer Gerechtigkeit und Anerkennung familiärer Leistung. Das Familieneinkommen muss mehrere Menschen versorgen, anders als in einem Single-Haushalt. Wer hier pauschal mehr belastet, ignoriert die Realität vieler Familien und verschärft damit die soziale Ungleichheit.
Der Familienbund der Katholiken lehnt die Pläne der Bundesministerin für Gesundheit entschieden ab. Christiane Kömm, die Vorsitzende des Diözesanfamilienrates im Erzbistum Bamberg verdeutlicht dies in ihrem Statement:
„Statt Familien zusätzlich zu belasten, braucht es eine Politik, die Leistung anerkennt, Verantwortung stärkt und Familien entlastet. Wer die Mitversicherung antastet, schwächt nicht nur Ehepartner mit geringem Einkommen, sondern setzt das falsche Signal an all jene, die unser Land mit ihrer Familienarbeit überhaupt erst tragen.
Unser Verband fordert daher, die beitragsfreie Mitversicherung von Ehepartnern zu erhalten und Familien nicht zum Ausgleich struktureller Defizite im Gesundheitssystem heranzuziehen. Es sollte vielmehr Wert auf Prävention und Salutogenese gelegt werden, um die Kosten im Gesundheitswesen zu mindern. Die soziale Balance kann zudem nur gestärkt werden, indem Familien nachhaltig entlastet werden, statt sie immer weiter zu belasten.“