Experten beklagen "Karnevalisierung des Unterrichts"

Datum:
Mi 25. Mär 2015
Von:
Kornelia Wickord

Bonn (22.03.2015) ked. Kritik an den Bildungsstudien der Organisation für Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) und aktuelle Entwicklungen in der deutschen Bildungslandschaft haben am Wochenende Referenten auf dem Bundeskongress der Katholischen Elternschaft Deutschlands (KED) in Köln geübt.

Prof. Dr. Jochen Krautz von der Bergischen Universität Wuppertal kritisiert die OECD-Bildungsstudie. PISA definiere einen eigenen Bildungsbegriff, der durch keinen Beschluss eines deutschen Parlamentes demokratisch legitimiert sei, so Krautz am Samstag vor den Teilnehmern des KED-Bundeskongresses. Die OECD versuche, mit „sanfter Steuerung“ die Bildungsziele in Deutschland zu verändern und strebe eine „kulturelle Entwurzelung“ von Schülern an. Daneben habe PISA auch „ungewollte Nebenwirkungen wie ein ausuferndes Berichtswesen“ verursacht, so Krautz. Dies führe zu einem erhöhten Bürokratieaufwand bei den Lehrern und wäre nicht nützlich für die Pädagogik. Außerdem käme es mit der Ausrichtung auf ökonomische Zwecke in einer heute noch nicht vorhersehbaren Zukunft auch zu einer „Vernachlässigung ethischer Erziehungsziele“, so Krautz. „In den Lehrplänen stehen nur noch 'Kompetenzen'. Die Inhalte sind entsorgt worden“, so der Pädagoge. Es würden nur „mit diesem oder jenem Training Kompetenzen trainiert. Das ist die ‚Karnevalisierung‘ des Unterrichts“.

Prof. Eckhard Klieme verteidigte die PISA-Studien als ein wichtiges Instrument, um einen Überblick über die Realitäten in den Schulen abseits „vermeintlicher Gewissheiten“ zu gewinnen. Der Mathematiker und Psychologe ist als Autor an vergangenen und aktuellen PISA-Studien und anderen Bildungsberichten beteiligt. Benachteiligungen bestimmter Schülergruppen seien erst durch PISA wieder in den Fokus gerückt. “PISA ist nötig, um humanistische Bildung zu reflektieren und durchzusetzen“, sagte Klieme am Samstag in Köln. PISA belege, dass “in der Realität des deutschen Bildungssystems häufig genug eben nicht professionell gehandelt” werde.

Der Leiter des Kölner Kolumba Kunstmuseums, Dr. Stefan Kraus, beklagte in seinem Vortrag Bildungsballast, die Optimierung von Bildung für “eine Welt der Zwecke” und plädiert für mehr Phantasie und ästhetische Bildung. Kindern werde vielfach „Zeit gestohlen“, die sie für sich bräuchten. Unsere Gesellschaft opfere „die Kindheit den Funktionszwängen des Erwachsenseins“, so Kraus. Dabei sei Kindheit kein verklärter romantischer Zustand, sondern ein biologisches Faktum. Kraus betonte: „Auch Langeweile hat einen Wert“. Zeiten und Räume, die völlig ziel- und zwecklos sind, seien essentiell für die Persönlichkeitsentwicklung.

Im Rahmen des Kongresses fand auch die Mitgliederversammlung der KED statt. Dabei wurde am Sonntagvormittag der Bundesvorstand für eine erneute Amtszeit von drei Jahren wiedergewählt.

Fotos vom Bundeskongress stehen Ihnen zur honorarfreien Nutzung im Zusammenhang mit dieser Pressemitteilung zum Download bereit:

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Urhebernachweis: Frank Spiegel / KED

Für Rückfragen steht Ihnen Markus Kremser (markus@kremser-medien.de; Tel: 01 52 / 58 51 81 33) zur Verfügung.

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