Der DFR im Gespräch mit Weihbischof Herwig Gössl

v.l.: Helga Kestel, Josef Weber, Lydia Heilmann, Weihbischof Herwig Gössl, Christiane Kömm, Edgar Maul, Ursula Knitt. (c) Susanne Neubauer
v.l.: Helga Kestel, Josef Weber, Lydia Heilmann, Weihbischof Herwig Gössl, Christiane Kömm, Edgar Maul, Ursula Knitt.
Fr 29. Nov 2019
Susanne Neubauer

Der Diözesanfamilienrat führte mit Weihbischof Herwig Gössl das zweite Gespräch in seiner Amtszeit.  Neben seinem Amt im Erzbistum Bamberg ist er zudem Mitglied der Kommission für Ehe und Familie der Deutschen Bischofskonferenz.

Aktuelles und zentrales Thema der Kommission für Ehe und Familie ist derzeit die Ehevorbereitung sowie die Ehebegleitung.  Ein wichtiges Anliegen für den Diözesanfamilienrat ist die Unterstützung von Ehepaaren, sodass es Kindern ermöglicht wird, in einer intakten Familie aufzuwachsen. So seien die Kurse, die begleitend für Ehepaare angeboten werden und auf freiwilliger Basis stattfinden sollen und das Traugespräch, das - wie bisher - verpflichtend zu gestalten sei, beizubehalten und weiter auszubauen. Es sei vor allem ein hoher Standard zu garantieren, wie Weihbischof Gössl betont. In den neu entstandenen Seelsorgebereichen kann unter der Verantwortung des Leitenden Pfarrers die Qualität der Ehevorbereitung konstant weiterentwickelt werden. Bei der Ehebegleitung sei es hingegen schwierig alle Ehepaare zu erreichen. Angebote müssten zwar ausreichend gestellt und vor allem klar kommuniziert werden, jedoch solle man sich vom Krisendenken distanzieren, da häufig eine Krise als solche erst erkannt werde, wenn es schon zu spät sei. Von Seiten des Diözesanfamilienrates wird angemerkt, dass es sinnvoll ist, ein jährliches Treffen für Ehepaare einzurichten, die sich auf diesem Weg austauschen können. Dabei stellt sich laut Gössl auch die Frage der Ansprechpartner. Nicht immer sei ein Geistlicher als solcher gewünscht. Vielmehr würden viele Ehepaare den gemeinsamen Austausch mit anderen Ehepaaren in manchen Situationen bevorzugen.

Die Frage nach einer dauerhaften Begleitung von Ehepaaren bringt das Gesprächsthema darauf, wie die katholische Kirche es schaffen kann, vor allem wieder junge Menschen zu erreichen. Bezüglich des Angebotes der Ehebegleitung wird hier vom DFR auf mediale Kommunikationswege verwiesen. Es wäre möglich, solche Angebote über YouTube oder soziale Netzwerke stärker zu verbreiten und für ein Publikum zugänglich zu machen, das sonst nicht erreicht werden könne. Weihbischof Gössl weist daraufhin, dass diese Zielgruppe besonders wichtig sei, da man es häufig nicht schaffe, wenn der Glaube in der Familie nicht gelebt wird, den Kindern im Kindergarten und Gemeinde diesen zu vermitteln. Es ist wichtig, für junge Menschen, die sich in den Stand der Ehe begeben, unverbindliche Angebote bereitzustellen, wie der Alltag gestaltet werden kann. Ebenso ist es auch wichtig für solche, die bereits den Weg in die Kirche gefunden haben und ihren Glauben vertiefen wollen, Programme anzubieten. Die Sehnsucht nach Spiritualität ist immer noch vorhanden, wie Diözesanvorsitzende Christiane Kömm festhält, jedoch muss auch bei allen, bei dem Kirche draufsteht, auch Kirche enthalten sein. In diesem Kontext wurden die KESS-Kurse hervorgehoben, die der Familienbund in Bamberg finanziell unterstützt. Neben der Kirche ist auch der praktizierte Glauben in der Familie wichtig, der auch durch die Großeltern vorgelebt wird. In diesem Kontext wurde auch die Schulpastoral thematisiert. In der Ganztagesbetreuung sind vor allem Religionslehrer mit ihren Angeboten gefragt.

Ein weiteres Thema war die Allianz für den freien Sonntag, die der Familienbund unterstützt. So wurde von Seiten des DFR die klare Forderung formuliert, die Kirche müsse den zunehmenden Verfall des Sonntags anmahnen und klar Stellung beziehen. So sieht auch Gössl einen "Zerfall des Sonntages" durch zunehmenden Freizeitstress und das Erledigen häuslicher Arbeit gegeben. Es gehe am Sonntag aber vor allem darum, zur Ruhe zu kommen und den Tag gemeinsam mit der Familie zu verbringen. So ist zum Beispiel der Sonntag eine gute Gelegenheit, gemeinsame Zeit zu verbringen, z. B. auch gemeinsame Essenszeiten. Es gehe darum in diesen Zeiten ethische Grundsätze hochzuhalten und diese in unseren Alltag zu integrieren, hält Weihbischof Gössl fest.

Von Seiten des Diözesanfamilienrates wurde kritisiert, dass Familienbegegnungsstätten und Orte für die Familienbildung im Erzbistum nicht mehr ausreichend unterstützt würden, da sie aus Sicht des Erzbistums nicht rentabel genug seien. Auch das deutschlandweite Mentoringverfahren, damit mehr Frauen Leitungspositionen übernehmen können, wurde besprochen. Zwei Frauen im Erzbistum Bamberg sind in dieses Programm aufgenommen worden. Zum Abschluss des Gesprächs wurde noch der synodale Weg angesprochen. Dies sei eine Herausforderung. Man müsse darauf achten, so Weihbischof Gössl, dass keine Hoffnungen geweckt würden, die man nicht erfüllen könne. Jedoch merkt er an, dass man auf einem guten Weg sei.

Fr. Kömm bedankt sich bei Herrn Weihbischof Gössl für das offene Gespräch und man vereinbart im Austausch zu bleiben.